Artikel-Quelle: Nürnberger Nachrichten (NN) vom 18.5.2005, Seite 15, über Oskar Koller (verst. 17.5.2005)

Bilder einer tiefen inneren Welt

Beliebter Künstler und hoch geschätzter Mensch: Der Nürnberger Maler Oskar Koller ist tot

 

Die Neugier und "die Sehnsucht nach etwas, was man nicht fassen kann, nach einer geistigen Welt" haben ihn zeitlebens angetrieben. Und die Reiselust: In Griechenland und Indien, Japan oder Marokko ließ sich Oskar Koller - stets mit dem Malzeug im Fernweh-Gepäck - zu seinen lichten, farbensprühenden Kompositionen inspirieren: An Stränden und auf Märkten, in der Dämmerung und an sonnenhellen Tagen, in Gesprächen mit den Menschen oder als stiller Beobachter.

In seinem riesigen Œuvre waren es vor allem die Aquarelle, die ihn weit über seine fränkische Heimat hinaus bekannt machten: In dieser Technik konnte er seine große Stärke und Begabung, den so scheinbar mühelosen und souveränen Umgang mit der Farbe, besonders virtuos ausspielen. Die Kleckse und Spritzer setzte er so sensibel. wie sparsam ein, stets auf der Hut vor einem Zuviel an Eindeutigkeit.

Leichtigkeit und Transparenz

Indem er das Weiß des Papiers zum kostbarsten Element der Komposition erklärte, das nur sparsam von Farbtupfern überdeckt wird, schuf er jene so unverwechselbaren Stimmungsbilder voller Leichtigkeit und Transparenz. Koller, der nach kurzer schwerer, Krankheit im Alter von 78 Jahren in einer Fürther Klinik gestorben ist, galt als einer der bedeutendsten zeitgenössischen Aquarellisten in Deutschland und war einer der populärsten Künstler in der Region.

Einer mit großer Reputation und hohen Sympathiewerten. Einer, der zwar Selbstbewusstsein hatte, aber stets bescheiden auftrat und mit seiner Meinung über modernistische Auswüchse der Kunst nicht hinter dem Berg hielt. "Für mich ist Kunst der unmittelbarste Ausdruck einer tiefen inneren Welt, die dem Menschen mehr geben kann und soll, als es ein Jahrmarktsrummel bietet. Dass ein Kunstwerk stets einen Moment der Zeitlosigkeit besitzen sollte, interessiert leider nicht mehr", klagte er angesichts eines Nachwuchses, der "krampfhaft nach dem letzten Schrei sucht".

Landschaften, Blumen, Bäume und vor allem die Menschen waren sein Thema. Dem hat er sich in den "gemalten Begegnungen", so der Titel eines seiner Bücher, mit zarten Aquarell- oder leuchtenden Acrylfarben genähert - und stets mit großer Ernsthaftigkeit und Sensibilität. Besonders fasziniert und inspiriert haben den Farbenmenschen die Länder des Südens mit ihren ganz besonderen Lichtverhältnissen. Das blieb sein Leben lang so: "Käme ich heute wieder nach Nordafrika, würde ich nicht wesentlich anders malen, als in frühen Jahren", sagte er beim 75. Geburtstag.

Koller war ein rastloser Farb-Arbeiter. Die Eindrücke der vielen Reisen ließ er in seinem Wohn- und Atelierhaus am Rande des Knoblauchslandes nachklingen und vergrößerte sein Œuvre beständig. Und für alle die, die sich kein Original leisten können, brachte der rührige Künstler neben vielen Büchern auch in schöner Tradition einen Wandkalender als farbenfrohen Jahresbegleiter heraus - seinen letzten mit Blumenmotiven für 2005 'konnte er noch vor seinem Tod fertigstellen. "Man meint immer, ich sei geschäftstüchtig, dabei geht es mir um die Sache", stellte er angesichts seiner erfolgreichen Publikationen klar. Er wolle keine Honorare nach Hause tragen, sondern etwas in die Welt. Dass ihm das gelungen ist, beweisen die vielen Preise, mit denen Koller geehrt wurde: Er erhielt den Kulturpreis seiner Geburtsstadt Erlangen (1983), den Friedrich-Baur-Preis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste (1994), den Kunstpreis der Nürnberger Nachrichten (1996) und den Wolfram-von-Eschenbach-Preis des Bezirks Mittelfranken (2002).

Seine Werke befinden sich im Besitz bedeutender Sammlungen, er hatte Einzelausstellungen in München und Stuttgart, in Paris oder Genf, in den USA und Japan, und war mit Werkschauen auch immer wieder in Franken präsent. Bei der großen Doppelschau zum 75. Geburtstag, die parallel in Nürnberg und Erlangen stattfand, konnte man "den ganzen" Koller sehen: "Die frühen und die späten Jahre", aufgefächert anhand von 150 Werken aus Privatbesitz. Sie zeichnete den Weg nach von der dunklen Winter Landschaft aus dem Jahr 1950 über die frühen Ölgemälde und Koller-typischen Aquarelle bis zu Collagen und abstrakten "kosmischen" Wirbel und Ebenen.

 

Nach einer kaufmännischen Lehre hatte Koller, der seit 1927 in Nürnberg lebte, die Mal- und Zeichenfachschule in Nürnberg besucht und nach Auslandsaufenthalten ein Studium an der Nürnberger Kunstakademie absolviert. Seit 1959 arbeitete er als freischaffender Künstler. Bereits vor zwei Jahren hat Koller mit der Einrichtung einer Stiftung dafür gesorgt, dass sein Lebenswerk dauerhaft "erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich bleibt“. Über 2000 Bilder hat er an die Stiftung gegeben, die letzten erst Anfang dieses Jahres, als ihn die schwere Erkrankung seiner Frau gesundheitlich bereits stark mitgenommen hatte.

 

Ausstellungen geplant

Ab Januar 2005 wird die Stiftung zwei Räume im Kunstmuseum Erlangen dauerhaft mit Koller-Werken bestücken. Große Ausstellungen soll es als posthume Ehrung zum 80.Geburtstag in der Kunstgalerie Fürth. dem Nürnberger Kunsthaus und eventuell auch in der städtischen Galerie Erlangen nächstes Jahr geben.

Mit dem Tod von Oskar Koller verliert die fränkische Kunstszene einen ihrer prominentesten Vertreter. Einen Maler und Aquarellisten von größter handwerklicher Perfektion. Einen Ästheten; der nie auf Modewelle schwamm. Einen besonnenen Mahner gegen die Gag-Kunst. Und vor a11em einen hoch geschätzten Menschen.
BIRGIT RUF
Artikel-Quelle: Nürnberger Nachrichten (NN) vom 18.5.2005, Seite 15, über Oskar Koller (verst. 17.5.2005)

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